Stellt euch vor, ihr ruft eure beste Freundin an, weil ihr einen wichtigen, ehrlichen Rat braucht. Ihr führt das Gespräch, trefft eure Entscheidung – und erfahrt danach, dass am anderen Ende nur ihr KI-Avatar geantwortet hat. Er sah echt aus, klang echt und kannte vielleicht sogar eure gemeinsame Geschichte.

Was daran stört, ist die Täuschung. Virtueller UGC greift damit die Grundlage an, auf der seine Wirkung beruht: menschliche Glaubwürdigkeit.

Nähe ist ein stilles Versprechen

Wenn eine Influencerin eine Hautcreme aufträgt und empfiehlt, gehen wir davon aus, dass ein Mensch ein Produkt erlebt und bewertet hat. Dieses unausgesprochene Versprechen ist die Grundlage des Formats. Eine künstlich erzeugte Person oder erfundene Erfahrung verändert die gesamte Produktion. Der kommunikative Vertrag wird gebrochen.

KI-Content wird kritisch, sobald er ein menschliches Erleben behauptet, das nie stattgefunden hat.

Ähnliches geschieht inzwischen in vielen Feeds. Menschen lassen Modelle schreiben, gestalten, posten und kommentieren – und versuchen anschließend, das Ergebnis als persönliche Äußerung erscheinen zu lassen. Ein eigener Prompt verwandelt fremd formulierte Erfahrung kaum in eine eigene Stimme.

Weniger produzieren. Mehr meinen.

Die Alternative ist erstaunlich einfach: KI manchmal liegen lassen. Zwei klare Hauptsätze schreiben. Einen ungeschliffenen Gedanken riskieren. Offen sagen, wo Technologie geholfen hat. Und künstliche Figuren eindeutig als solche kenntlich machen.

Social Media lebt von erkennbaren Menschen, echten Perspektiven und der Sicherheit, dass Nähe mehr als ein Effekt ist.