Alte Folgen aus dem Archiv holen, mit KI verändern und noch einmal ins Programm schicken. Die Idee wirkt auf mich wie ein ziemlich verzweifelter Versuch, aus vorhandenem Material noch ein bisschen Geld herauszuholen. Technisch mag das beeindruckend sein. Als Vorstellung von Unterhaltung finde ich es dürftig.

Der konkrete Anlass: RTL kündigte am 3. September 2026 gemeinsam mit Constantin Entertainment fünf mithilfe generativer KI überarbeitete Episoden von „Ulrich Wetzel – Das Strafgericht“ an. Bereits produzierte Geschichten erhielten veränderte Figuren, Handlungsverläufe und Urteile. Laut RTL lagen die redaktionelle Verantwortung und Qualitätskontrolle weiterhin bei Menschen; die notwendigen Rechte wurden mit den beteiligten Talents geklärt. Diese Einordnung gehört zur Sache.

Ein neuer Ausgang ist schnell erfunden

Natürlich lassen sich Geschichten verändern. Aus einem Freispruch kann eine Verurteilung werden. Eine Figur bekommt eine andere Rolle. Der Fall nimmt eine neue Wendung. Meine Skepsis beginnt bei der Frage, weshalb ich das als Zuschauer sehen wollen sollte. Die technische Möglichkeit liefert darauf erst einmal eine erstaunlich schmale Antwort.

Unterhaltung hat für mich mit der Lust zu tun, etwas zu erzählen. Jemand beobachtet Menschen, ärgert sich über eine Absurdität oder findet einen Konflikt, der ihn beschäftigt. Daraus entsteht eine Szene. Ein anderer Mensch spielt sie, gibt ihr einen Blick, eine Pause, einen eigenen Ton. Ein Gegenüber reagiert darauf. Selbst eine ziemlich schlichte Geschichte kann durch dieses Zusammenspiel lebendig werden.

Entertainment ist einer der Bereiche, in denen Menschen etwas für Menschen machen. Punkt.

Die Rechnung beginnt beim Material

Wer im Archiv beginnt, findet vor allem Dinge, die bereits bezahlt sind. Das ist aus Unternehmenssicht nachvollziehbar. Gefährlich wird diese Perspektive für mich, sobald sie die kreative Aufgabe vorgibt: Dieses Material haben wir. Wie oft können wir es noch verwerten? Dann wird die vorhandene Produktion zum Ausgangspunkt jeder neuen Idee. Der Spielraum reicht so weit, wie sich das Alte umbauen lässt.

In unserer Branche lässt sich dieselbe Frage stellen: Eine Kampagne hat funktioniert, also produzieren wir weitere Varianten. KI macht das bequem. Gerade deshalb braucht die Wiederverwendung eine gute Begründung. Ein Budgetgewinn auf der Produktionsseite sagt wenig darüber aus, was beim Publikum ankommt. Aufmerksamkeit muss sich jede Variante erneut verdienen.

Menschen sollten etwas erzählen dürfen

Mein Maßstab wäre: Entsteht durch die eingesparte Arbeit Raum für einen Gedanken, den vorher niemand umsetzen konnte? Bekommen Kreative mehr Freiheit, etwas zu riskieren? Dann steckt in der Technik eine interessante Möglichkeit. Wenn die Ambition bei zusätzlichen Sendeminuten endet, bleibt bei mir vor allem Ernüchterung.

Über den Publikumserfolg dieses RTL-Versuchs treffe ich hier keine Aussage. Meine Wette betrifft die Richtung: Dauerhaft interessante Unterhaltung braucht Menschen, die etwas Eigenes erzählen wollen. Ihnen würde ich das Budget geben. Das Archiv hat seinen Auftritt bereits gehabt.